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Menschenfeind.

13. November 2012

Hank hates you all. Und ich tue das auch. Ich verabscheue die Menschheit. Je mehr ich mich mit Menschen und ihrem pervertierten Konstrukt einer Gesellschaftsstruktur beschäftige, also probiere über den Tellerrand hinaus zu schauen, desto mehr schürt das meinen Hass. Hinter jedem Schein steckt ein Trug, hinter jedem Dr. Jekyll ein Mr. Hyde und jede noch so gute Idee scheitert doch letztlich am Menschen.

Sei es das alljährliche Stürzen von, durch Westmächte eingesetzten und ausgerüsteten, Tyrannen unter Inkaufnahme zahlreicher Zivilistenopfer oder auch nur die Tatsache, dass deutsche Kleiderspenden den afrikanischen Markt überfluten und die dortige Textilindustrie zerstören, während Firmen mit passenden Namen wie Profittex daran Millionen verdienen. Ich bin mir sicher, ich verstehe nicht einmal einen Bruchteil dessen, was in dieser Welt vor sich geht. Simon Peters meint, ein Drittel der Menschheit sei bekloppt, manchmal die Hälfte und in Wirklichkeit ist es die komplette. Und alle sehen zu. Der Mensch verdient es gehasst zu werden, einschließlich mir. Die Welt könnte so schön sein ohne uns. Eben das ist der Grund, warum ich die Menschheit für ihre Naivität und Leichtgläubigkeit verabscheue. Daher stellt sich bei mir regelmäßig ein Würgereiz ein, wenn ich die verbalen Ausdünstungen besagter Mitmenschen hören oder lesen muss. Und vielleicht kratzt bei dir nun auch schon die Galle am Gaumen. Na dann: Willkommen auf der dunklen Seite der Macht!

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Veröffentlicht von Timon | Kommentar verfassen

Plastik

27. Oktober 2012

Wir sind aufgewachsen in grünen Vorstadt Dschungeln, über denen immer die Sonne scheint. Auserwählt zu Höherem von Papas Gnaden. Weit weg von allen bösen Einflüssen, weit weg von der sozialen Realität. Sauber in Watte gewickelt, damit wir bloß keine blauen Flecken bekommen. Aber die Basis Version von uns reichte nicht, also wurden wir modifiziert. Erweitert mit den wichtigsten Bausteinen – Abitur, Auslandsaufenthalt, Sportverein, Klavierstunden, Praktika, Ehrenamt. Auf großen Feiern wurde uns von begeisterten Rednern verkündet, dass wir unverschämtes Glück hatten, von der Ghettoisierung der restlichen Gesellschaft nicht betroffen gewesen zu sein und dass wir jetzt ruhig mal einen Sekt vielleicht trinken könnten. Nach zwei Gläsern sollte aber auch Schluss sein, denn der Ernst des Lebens trinkt auch keinen Sekt und hat somit auch nie das Katertier und daher können wir uns das wohl auch kaum leisten im großen Konkurrenzkampf des Lebens. Und dann standen wir da. Perfekt, Poliert, Plastik.

Wir haben gelächelt und applaudiert.

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Veröffentlicht von Hendrik | Kommentar verfassen

Wieder Winter

13. Oktober 2012

Ich lasse mich auf einen der Sitze knapp hinter der Tür fallen, stemme die Knie ins Plastik vor mir und lege den Kopf ans Fenster. Hat sich schonmal jemand gefragt wer diese hässlichen Polster entwirft? Dabei gibt es zwei Grundarten. Das kleinere Übel stellt das schmuddelfarbene, mit kleinen geometrischen Formen verzierte Design dar, während die weitaus größere Geschmacksverirrung meistens im Bus zu finden ist und mit seinen wild durcheinander geworfenen Farbklecksen wohl mal ein Jackson Pollock Action-Painting werden wollte. Dabei bleibt der größte Anflug von Action die schlefenseitigen Kopfschmerzen vom entsetzten Kopfschütteln.

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Veröffentlicht von Timon | Kommentar verfassen

Die Werbung, die mich verfolgt

5. Juli 2012

Panik! Ich renne wie verrückt durch die Hamburger Mönckebergstraße, verfolgt von etwa einem Dutzend Männern, die mir euphorisch hinterherschreien:”Warten Sie Herr Lipke, so warten Sie doch!” Sie sind charmant gekleidet: Fein taillierte Anzüge, die Frisur sitzt perfekt. Die Absätze ihrer geschmeidigen Lederschuhe, die eigentlich gar nicht für eine solche Verfolgungsjagd geeignet sind, machen laute Geräusche. Ich fühle mich wie von einer Horde Rinder verfolgt, nur dass Rinder mir nicht ihre Produkte und Dienstleistungen zum Spitzenpreis verkaufen wollen. Ihr Auftreten verrät sie: Online-Marketing Experten – Fachgebiet Retargeting!

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Veröffentlicht von Janik | 6 kommentare

Unwetter

4. Juli 2012

Keine Antwort. Was hatte ich eigentlich erwartet? Ich kenne dich im Prinzip gar nicht. Ein paar Begegnungen auf den Fluren dieses großen Gebäudes, ein wenig inhaltsleere Konversation in den Wagons, die uns von der einen Ecke des Alltags in die andere befördern. Ein paar Lächeln, ein paar getroffene Blicke, nicht viel mehr. Irgendwann habe ich dich nach deiner Nummer gefragt, eher beiläufig als gewollt. Vielleicht habe ich aus Langeweile danach gefragt, vielleicht wollte ich mir was beweisen, vielleicht weil die Blicke länger haften geblieben sind als ursprünglich geplant. Es spielt keine Rolle, du hast sie mir gegeben und ich habe dich auf meine Party eingeladen. Viele Menschen, viel Bier, viel gute Laune! Du bist gekommen und irgendwann haben wir schräg links vor meinem Schrank zueinander gefunden. Geboren aus jugendlichen Übermut und Alkohol habe ich Komplimente an deine Oberweite verteilt. Charmant wie immer. Ob ich dich nach einem Date fragen darf? Du meintest, ich komme wenige Wochen zu spät, du bist jetzt vergeben. Geschrieben habe ich dir trotzdem nochmal, ob wir uns sehen wollen. Was hatte ich eigentlich erwartet? Keine Antwort.

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Heimat?

14. April 2012

Mein Blick schweift aus dem Fenster. Es gibt nicht viel zu sehen. Dunkle Landschaften, Felder, Bäume, manchmal ein Bauernhof. Ich sitze auf der Rückbank eines Kleinwagens auf dem Weg von Hamburg nach Berlin. Obwohl ich nicht besonders groß bin, habe ich Probleme eine bequeme Haltung zu finden. Der untere Gurt spannt sich etwas, kein Wunder, im Elternhaus ist der Kühlschrank gut gefüllt. Mir macht es nichts aus, ich kenne das bereits. Sobald ich ein paar Wochen in Berlin verbracht habe, sind die wenigen Kilo wieder runter. Als Student muss ich Abstriche machen, Tabak oder Essen. Der Typ neben mir: schwarze ausgewaschene Klamotten, fettige Haare. Ich kennen seinen Namen nicht. Dafür weiß ich, dass er gerne Knoblauch mag. Er kam zum Treffpunkt mit einem Döner in der Hand. Seine Worte: “Ich will auch nach Berlin, bin gleich fertig.” Die anderen beiden Mitfahrer sind Mädchen, die schnell entschieden haben, dass sie vorne sitzen wollen. Ich kann es ihnen nicht verübeln. Bis auf mich und die Fahrerin schlafen alle. Bei jedem Atemzug meines Sitznachbarn wehen die Reste des Döners zu mir herüber. Die Fahrt ist typisch für Mitfahrgelegenheiten. Entweder es wird geschlafen oder darüber diskutiert, ob die CIA für den elften September verantwortlich ist. Es gibt anscheinend einen soziologischen Zusammenhang zwischen Mitfahrgelegenheiten und Verschwörungstheorien.

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hin und weg

30. März 2012

Da sitze ich, wie so häufig in letzter Zeit, Kopfhörer in den Ohren, Lederjacke: Ich warte auf den Nachtbus, der um halb eins kommen sollte. “Kommen sollte”, denn auch wenn fast niemand unter der Woche mit ihm fährt, ist seine Verspätung so sicher, wie die Tatsache, dass Zimmermann mit 21 zu jung heiratet. Stattdessen kommt sie.

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Die Elite Lüge

15. März 2012

Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät - Finde den Fehler. Ich studiere an dieser Fakultät, welche sich aufteilt in die Fachbereiche Politologie, Soziologie, Rechtswissenschaften, Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre. Eine interessante Kombination, die jeden Tag Stoff für Diskussionen bietet. Fahrrad gegen Porsche, Idealismus gegen Pragmatismus, Systemkritisch gegen Systemrelevant, die helle Seite der Macht gegen die dunkle Seite der Macht! Ich persönlich studiere Politologie und Soziologie, ob ich damit auf der hellen oder der dunklen Seite stehe, darf an dieser Stelle jeder selbst entscheiden.

In jedem Fall entstehen durch dieses Aufeinandertreffen teils amüsante, teils vielsagende Ereignisse. Es gab diese schöne Berufsmesse an unserer Fakultät, die Studenten frühzeitig mit den wichtigen (und richtigen) Arbeitgebern der Umgebung in Kontakt bringen soll. “Das Sprungbrett in die Karriere” sollte die Messe sein, mit der die Studenten gleich “voll durchstarten können in der Arbeitswelt. “Vitamin B zum halben Preis” hätte ich passender gefunden.  Die Messe wurde organisiert vom Careerservice der Universität. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, aber für wen Karriere gemacht wird, habe ich allzu schnell erfahren. Kurze Zeit nachdem ich das Foyer betreten hatte, wurde ich auch schon freundlich, aber durchaus penetrant zu einem Stand gewunken. Ob ich nicht Lust hätte ein wenig ins Gespräch zu kommen und mir einmalige Informationen und Chancen eröffnen zu lassen? Klar warum nicht! Was ich denn wohl studiere? Politologie und Soziologie. Die einmaligen Chancen waren nach meiner Antwort plötzlich ausverkauft - das Unternehmen ist leider nur an BWL, VWL und Jura Studenten interessiert.

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Veröffentlicht von Hendrik | 2 kommentare

Appell an die Freundschaft

29. Januar 2012

Draußen fallen Flocken auf noch warme Wege, denen wir ein halbes Leben schenkten. Wo wir vorgestern noch jeden Tag leichtfüßig zwischen Heimat und was werd’ ich mal schlenderten, unsere Zeit mit Versuchungen betrödelten. Als Fahrräder und unbekannte Straßen noch für ferne Länder standen. Weder Zeit noch Vernunft trennten uns vom Lebensdurst bis zu dem seltsam blauen Laminat in deinem Zimmer. Dann spielten wir Fußball im Garten, überlegten, welche Weltfußballer wir sein wollten, sprangen aus deinem Fenster dem Tiger hinterher, der bei dir wohnte. Oder wir rannten so schnell es ging, um ein neues Spiel auszuprobieren – ja wir rannten, wo wir heute gehen, taumeln und kaum zu stehen vermögen. Wir belustigten uns an Videos und Tonaufnahmen, die wir rückwärts abspielten oder bildeten Sinnlossätze, bis wir uns auf dem Boden kringelten. Das war, als man nicht still vor dem Fernseher sitzen konnte, weil man bei „Ein Königreich für ein Lama“ unbedingt mitspielen musste. Dann flogen wir selbstgemalt ins All. Schon damals führten wir Diskussionen ebenso emotional wie weltverändernd: Wieso sind Sith eigentlich so viel cooler als Jedi? Wo unendliche Freundschaft noch zu den geringsten Schwüren zählte – wie gut schliefst du in diesen Tagen.

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Zweifelviech

10. Januar 2012

Strand. Das Wasser drängt in sanften Wellenbewegungen an das Ufer, hinterlässt auf seinem Weg eine Spur feiner Rillen und bunter Muscheln. Der Himmel leuchtet in sanften Pastellfarben. Schöne Welt. Am Strand sitzen meine Freunde und lächeln. Man spürt wie das wundervolle Leben sich in ihre Körper schleicht, sich ausbreitet und als Regung der Mundwinkel nach außen wirkt. Neben mir sitzt sie, ich spüre ihre weichen Finger in meiner Hand. In diesem Moment gibt es kein besseres Gefühl. Ich stehle ihr einen Kuss und gleite ins Wasser. Es umfängt mich mit Wärme und Schwerelosigkeit. Ein paar Bahnen ziehen.

Plötzlich Kälte, Wind schlägt mir in das Gesicht. Die leichten Bewegungen des Wassers türmen sich auf und verwandeln sich in reißende Wasserwände. Was passiert hier? Ich schwimme zurück ans Ufer. Meine Freunde sind alle verschwunden. Nur sie sitzt immer noch dort, aber nicht allein. Das Mädchen, dass ich gerne mag, hält die Hand eines grauen Mannes. Der Sturm wird heftiger. Der Himmel ist fast schwarz. Ich drehe mich um und sehe nur die dunkle Wasserwand. Sie begräbt mich und dann…

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