Mein Blick schweift aus dem Fenster. Es gibt nicht viel zu sehen. Dunkle Landschaften, Felder, Bäume, manchmal ein Bauernhof. Ich sitze auf der Rückbank eines Kleinwagens auf dem Weg von Hamburg nach Berlin. Obwohl ich nicht besonders groß bin, habe ich Probleme eine bequeme Haltung zu finden. Der untere Gurt spannt sich etwas, kein Wunder, im Elternhaus ist der Kühlschrank gut gefüllt. Mir macht es nichts aus, ich kenne das bereits. Sobald ich ein paar Wochen in Berlin verbracht habe, sind die wenigen Kilo wieder runter. Als Student muss ich Abstriche machen, Tabak oder Essen. Der Typ neben mir: schwarze ausgewaschene Klamotten, fettige Haare. Ich kennen seinen Namen nicht. Dafür weiß ich, dass er gerne Knoblauch mag. Er kam zum Treffpunkt mit einem Döner in der Hand. Seine Worte: “Ich will auch nach Berlin, bin gleich fertig.” Die anderen beiden Mitfahrer sind Mädchen, die schnell entschieden haben, dass sie vorne sitzen wollen. Ich kann es ihnen nicht verübeln. Bis auf mich und die Fahrerin schlafen alle. Bei jedem Atemzug meines Sitznachbarn wehen die Reste des Döners zu mir herüber. Die Fahrt ist typisch für Mitfahrgelegenheiten. Entweder es wird geschlafen oder darüber diskutiert, ob die CIA für den elften September verantwortlich ist. Es gibt anscheinend einen soziologischen Zusammenhang zwischen Mitfahrgelegenheiten und Verschwörungstheorien.
Veröffentlicht von Hendrik | Kommentar verfassen2null
Da sitze ich, wie so häufig in letzter Zeit, Kopfhörer in den Ohren, Lederjacke: Ich warte auf den Nachtbus, der um halb eins kommen sollte. “Kommen sollte”, denn auch wenn fast niemand unter der Woche mit ihm fährt, ist seine Verspätung so sicher, wie die Tatsache, dass Zimmermann mit 21 zu jung heiratet. Stattdessen kommt sie.
Veröffentlicht von Timon | Kommentar verfassenWirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät - Finde den Fehler. Ich studiere an dieser Fakultät, welche sich aufteilt in die Fachbereiche Politologie, Soziologie, Rechtswissenschaften, Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre. Eine interessante Kombination, die jeden Tag Stoff für Diskussionen bietet. Fahrrad gegen Porsche, Idealismus gegen Pragmatismus, Systemkritisch gegen Systemrelevant, die helle Seite der Macht gegen die dunkle Seite der Macht! Ich persönlich studiere Politologie und Soziologie, ob ich damit auf der hellen oder der dunklen Seite stehe, darf an dieser Stelle jeder selbst entscheiden.
In jedem Fall entstehen durch dieses Aufeinandertreffen teils amüsante, teils vielsagende Ereignisse. Es gab diese schöne Berufsmesse an unserer Fakultät, die Studenten frühzeitig mit den wichtigen (und richtigen) Arbeitgebern der Umgebung in Kontakt bringen soll. “Das Sprungbrett in die Karriere” sollte die Messe sein, mit der die Studenten gleich “voll durchstarten können in der Arbeitswelt. “Vitamin B zum halben Preis” hätte ich passender gefunden. Die Messe wurde organisiert vom Careerservice der Universität. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, aber für wen Karriere gemacht wird, habe ich allzu schnell erfahren. Kurze Zeit nachdem ich das Foyer betreten hatte, wurde ich auch schon freundlich, aber durchaus penetrant zu einem Stand gewunken. Ob ich nicht Lust hätte ein wenig ins Gespräch zu kommen und mir einmalige Informationen und Chancen eröffnen zu lassen? Klar warum nicht! Was ich denn wohl studiere? Politologie und Soziologie. Die einmaligen Chancen waren nach meiner Antwort plötzlich ausverkauft - das Unternehmen ist leider nur an BWL, VWL und Jura Studenten interessiert.
Veröffentlicht von Hendrik | 2 kommentareDraußen fallen Flocken auf noch warme Wege, denen wir ein halbes Leben schenkten. Wo wir vorgestern noch jeden Tag leichtfüßig zwischen Heimat und was werd’ ich mal schlenderten, unsere Zeit mit Versuchungen betrödelten. Als Fahrräder und unbekannte Straßen noch für ferne Länder standen. Weder Zeit noch Vernunft trennten uns vom Lebensdurst bis zu dem seltsam blauen Laminat in deinem Zimmer. Dann spielten wir Fußball im Garten, überlegten, welche Weltfußballer wir sein wollten, sprangen aus deinem Fenster dem Tiger hinterher, der bei dir wohnte. Oder wir rannten so schnell es ging, um ein neues Spiel auszuprobieren – ja wir rannten, wo wir heute gehen, taumeln und kaum zu stehen vermögen. Wir belustigten uns an Videos und Tonaufnahmen, die wir rückwärts abspielten oder bildeten Sinnlossätze, bis wir uns auf dem Boden kringelten. Das war, als man nicht still vor dem Fernseher sitzen konnte, weil man bei „Ein Königreich für ein Lama“ unbedingt mitspielen musste. Dann flogen wir selbstgemalt ins All. Schon damals führten wir Diskussionen ebenso emotional wie weltverändernd: Wieso sind Sith eigentlich so viel cooler als Jedi? Wo unendliche Freundschaft noch zu den geringsten Schwüren zählte – wie gut schliefst du in diesen Tagen.
Veröffentlicht von Timon | Kommentar verfassenStrand. Das Wasser drängt in sanften Wellenbewegungen an das Ufer, hinterlässt auf seinem Weg eine Spur feiner Rillen und bunter Muscheln. Der Himmel leuchtet in sanften Pastellfarben. Schöne Welt. Am Strand sitzen meine Freunde und lächeln. Man spürt wie das wundervolle Leben sich in ihre Körper schleicht, sich ausbreitet und als Regung der Mundwinkel nach außen wirkt. Neben mir sitzt sie, ich spüre ihre weichen Finger in meiner Hand. In diesem Moment gibt es kein besseres Gefühl. Ich stehle ihr einen Kuss und gleite ins Wasser. Es umfängt mich mit Wärme und Schwerelosigkeit. Ein paar Bahnen ziehen.
Plötzlich Kälte, Wind schlägt mir in das Gesicht. Die leichten Bewegungen des Wassers türmen sich auf und verwandeln sich in reißende Wasserwände. Was passiert hier? Ich schwimme zurück ans Ufer. Meine Freunde sind alle verschwunden. Nur sie sitzt immer noch dort, aber nicht allein. Das Mädchen, dass ich gerne mag, hält die Hand eines grauen Mannes. Der Sturm wird heftiger. Der Himmel ist fast schwarz. Ich drehe mich um und sehe nur die dunkle Wasserwand. Sie begräbt mich und dann…
Veröffentlicht von Hendrik | Kommentar verfassenIch habe dich heute ein wenig gehasst.
Oder mich? Nein. Ich habe mir ein Hemd angezogen, fast schick gemacht, habe Tabak gekauft, damit ich diese Zeilen loswerden kann, einen roten Seelenklempner dazu, um sie darin zu ertränken, damit nichts weiter von ihnen bleibt als verwischte Tinte und verwaschene Erinnerungen.
Veröffentlicht von Timon | 1 KommentarU-Bahn, es stinkt. Ich bin es nicht. Ich dusche jeden Morgen. Lehne mich vorsichtig zu dem Typen neben mir, Geruchsprobe. Nein, er ist es auch nicht. Ich blicke in die Gesichter der Menschen. Der Gestank wird schlimmer. Wo kommt das her? Es riecht als hätte jemand vergessen sein Zimmer zu lüften und dadurch Schimmel gezüchtet, aber 50 Jahre lang. Am besten vertiefe ich mich in die Musik aus den Kopfhörern. Die Tür geht auf, ein Schwall an blassen Gestalten drängt herein. Ich lasse den Blick noch einmal durch den Wagon wandern. Lächelt hier eigentlich jemand? Nein… Das ist die Antwort. Die Situation stinkt. Diese U-Bahn Situation mitten aus dem Herz der Realitätswelt. Menschen gefangen in ihren täglichen Leben, nicht lächelnd! Allein, voneinander isoliert und vertieft in höchst wichtige Dinge wie BILD Zeitung lesen. Meine Mitfahrer auf ihrem ständigen Weg in und durch das Grau. Jeden Tag der gleiche Trip bis zu dem Zeitpunkt, an dem plötzlich Jugendliche aufstehen, um ihren Sitzplatz frei zu machen. Spaß macht es anscheinend nicht. Ist das Leben nicht eigentlich schön? Gedanken überfallen mich, der Kopf arbeitet auf Hochtouren. Er hinterfragt mein persönliches Grau und zieht Vergleiche. Warum bin ich eigentlich in dieser U-Bahn, in der niemand Freude hat? Wo bringt die mich hin, will ich dahin? Die ganze Szene ist deprimierend, fast depressiv. Mir vergeht jetzt auch das Lächeln – Teufelskreis. Ich möchte nach Paris, unter dem Eiffelturm wird gelächelt. Die meisten waren anscheinend noch nie dort.
Veröffentlicht von Hendrik | 7 kommentare“Die Nationen unserer Tage vermögen an der Gleichheit der gesellschaftlichen Bedingungen nichts mehr zu ändern; von ihnen aber hängt es nun ab, ob die Gleichheit sie zur Knechtschaft oder zur Freiheit führt, zu Bildung oder Barbarei, zu Wohlstand oder Elend.” – Alexis de Tocqueville (1840)
Wir leben in einer demokratischen Gesellschaft. Obwohl es diverse verschiedene Definitionen und Formen von Demokratie gibt, sind wir uns in dem Punkt einig. Und wir lieben die Demokratie. Wir sind frei und gleich. Wir sind der Staatssouverän. Zumindestens auf dem Papier. In den letzten Jahren drängt sich allerdings vermehrt der Eindruck auf, dass wir gar keine Lust mehr haben Souverän zu sein. Die Politikverdrossenheit nimmt zu und gleichzeitig die Wahlbeteiligung ab. Es ändert sich ja sowieso nix, also was geht mich das an? Das Gemeinwesen sowie das System geraten zunehmend aus dem Blickfeld. Dieses Phänomen birgt allerdings ein großes Risiko. Demokratische Gesellschaften hatten schon immer eine hohe Affinität dazu, sich in Despotien zu verwandeln. Höchste Zeit zum Aufwachen. Lasst uns die Demokratie zu echter Größe führen! Oder ist es bereits zu spät? Wollen wir das überhaupt?
Veröffentlicht von Hendrik | Kommentar verfassenDie Welt ist vielfältig. Zwischen all den Möglichkeiten und Perspektiven steigt der Individualisierungsdruck. Das Ziel ist klar: seine ganz eigene Persönlichkeit zum Ausdruck bringen. Sich von der Masse abheben. Mehr als grau sein. Das dieser Individualisierungsdruck meist zu Gruppenbildung des gleichen Habitus führt und sich deswegen ins Gegenteil verkehrt, darf an dieser Stelle übersehen werden. Also legen wir los. Kaufen die passenden Klamotten, suchen uns die richtigen Freunde und haben die passenden Sprüche auf den Lippen. Das Feld ist groß! Wir können Punks, Emos, Straßenjungen, Raver, Hipster, Ökos oder Nerds werden. Alles sehr schöne Varianten. Eine Gruppe allerdings, die mir besonders am Herzen liegt, sind die Rothosen. Und obwohl ich bekennender HSV bin, rede ich nicht von den Spielern des Hamburger Sportvereins. Die Rothosen, von denen ich rede, haben ihre ganz eigene Wesensart. Rothosen begreifen sich selbst als Oberschicht, als “besser”. Es geht um Geld, schnelle Autos und hübsche Frauen. Es geht um die Abgrenzung zum Proletariat. Like a boss! Aber wie wird man am besten zur Rothose? Dieser Text möchte als kleiner Ratgeber dienen.
Veröffentlicht von Hendrik | 3 kommentareMorgen ist der 5. November. Der Tage, an dem Facebook zerstört werden soll. So hat es die populäre Hackerbewegung Anonymous vor kurzer Zeit bekannt gegeben. In einer Videobotschaft auf Youtube hat sich die Bewegung an die Öffentlichkeit gewendet und ihre Pläne bekannt gegeben, das soziale Netzwerk Facebook am 5. November komplett zerstören zu wollen. Das Ganze könnte man als Internet Terrorismus kategorisieren, da hinter der Aktion gewisse Forderungen stehen, auch wenn eine explizite Drohung nicht ausgesprochen wurde.
Veröffentlicht von Janik | 1 Kommentar